Digitalisierung wird zunehmend weniger als Buzz-Word verstanden

Interview mit Dr. Djordje Nikolic, Geschäftsführer von consus clinicmanagement

Corona und die Transformation Ihrer Organisation – Hand aufs Herz: Haben wir vor einem Jahr mit unserem Fokus auf Mindset und Innovationsmanagement eventuell den falschen Schwerpunkt gesetzt, oder wie erleben Sie als Führungspersönlichkeit den (digitalen) Umbruch auch im Lichte der Pandemie?

Nein, dies war keineswegs ein falscher Fokus. Auch wenn nicht absehbar war, wie das Jahr 2020 verlaufen würde, so geht es doch gerade um das richtige Mindset als Grundlage für Adaption und Innovation. Noch nie waren so viele Organisationen gezwungen, sich in so kurzer Zeit derart radikal neu erfinden zu müssen. Insofern kann von einem Fehler keine Rede sein, vielmehr von einer glücklichen Fügung.

Ich nehme im eigenen Unternehmen, jedoch auch im direkten Umfeld wahr, dass Digitalisierung zunehmend weniger als Buzz-Word und Selbstzweck verstanden wird. Vielmehr besteht eine hohe Bereitschaft, vermeidbare Mehraufwände und Reibungsverluste in den Bereichen Informationsverarbeitung, Kommunikation und in wiederkehrenden Prozessen zu reduzieren.

Agilität, Innovationsfähigkeit, Leadership, Patient Journey: Wie haben Digitalisierung und Pandemie Ihre Organisation in den vergangenen zwölf Monaten ganz konkret verändert?

Für die consus-interne Organisation hat sich erfreulicherweise kaum etwas geändert. Wir haben bereits vor Jahren OKRs [Objective and Key results, Management-Methode u.a. bei Google, Anm. d. Red.] als Managementprinzip eingeführt, kommunizieren engmaschig auch crossfunktional und hatten diverse Collaboration-Tools schon weit vor der Pandemie eingeführt. Anders wären Wachstum und enger Austausch über die verschiedenen Standorte hinweg gar nicht möglich gewesen.

Am stärksten hat sich das Unternehmen im Bereich unserer Akademie verändert.

Schließlich war es ein echter Game-Changer, dass praktisch von einem auf den nächsten Tag keine Präsenz-Seminare mehr möglich waren. Bei der Umstellung auf Web-Seminare gab es den einen oder anderen Stolperstein, da sowohl ein paar Dozenten als auch die Teilnehmer noch nicht für Onlineseminare bereit waren. Das ist aktuell in der „zweiten Welle“ anders. Jetzt ist es den Teilnehmern sogar lieber, sich für Web-Seminare anzumelden und aufgrund der vermehrten Homeoffice-Arbeitsplätze sind meist auch die IT-Voraussetzungen geschaffen. Bis dahin scheiterte es ja spätestens an fehlenden Lautsprechern an Bildschirm-Arbeitsplätzen. Zudem haben wir in TUTOOL.IO einen großartigen Partner gefunden, mit dem wir unsere Expertise in E-Learnings an die entsprechenden Zielgruppen gut vermitteln können.

Das Krankenhaus-Finanzierungssystem wurde 2020 kräftig durcheinandergewirbelt. Und weitaus größere Veränderungen stehen wohl noch bevor. Was raten Sie der Politik, wie soll es 2021 weitergehen?

Es kann für die Politik aktuell vernünftigerweise nur darum gehen, Stabilität zu bewirken. Daher sollten alle regulatorischen Eingriffe vermieden werden, die zu einer Verschärfung der Finanzierungssituation führen. Im kommenden Jahr ist mit einer hohen Anzahl von Krankenhaus-Insolvenzen zu rechnen. Diese werden nicht vollständig zu verhindern sein und müssen es vermutlich auch gar nicht. Jedoch sollte die Krankenhauslandschaft nicht dem freien Spiel der Kräfte überlassen werden.


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