Future Skills und Transformational Leadership– Herausforderungen, Lösungen, Best Practice

Alles Wissenswerte über Future Skills, lernende Organisationen, technologische Challenges und die Führungskraft von morgen. Dieser übersichtliche Guide liefert alle Informationen, die du brauchst, um die Transformation erfolgreich zu meistern.

Von Stefan Deges (Founder TUTOOLIO, Herausgeber „Transformation Leader“)

Letzte Aktualisierung: 12.02.2024

Inhalt

Was sind Future Skills?

Bist Du fit für morgen? In einer Ära des rasenden technologischen Fortschritts und einer sich ständig wandelnden Businesswelt stehen wir vor beispiellosen Herausforderungen. Die Zukunft erscheint oft unberechenbar und die Geschwindigkeit des Wandels ruft nicht selten Ängste hervor. „Zukunftsfähige Unternehmen gehen achtsam mit der Digitalisierung um und priorisieren den ,Kreativfaktor Mensch‘“, mahnt der Zukunftsforscher Matthias Horx. Er hält menschliche Kompetenzen für die Kernressource der Zukunft. Ich nenne diese Kompetenzen „Future Skills“. Sie betreffen jeden Einzelnen und entscheiden in Summe über Wohl und Wehe eines Unternehmens. Folglich lautet die große Challenge für Führungskräfte, die Transformation im Corporate Skill-Mix zu organisieren.

Future Skills sind keine abstrakten Konzepte, sondern konkrete Fähigkeiten, die entscheidend sind, um sich in einer sich ständig verändernden Welt zu behaupten und Chancen für persönliches und berufliches Wachstum zu nutzen. Die Fähigkeit beispielsweise, relevante Informationen zu identifizieren, zu analysieren und fundierte Entscheidungen zu treffen oder auch komplexe Probleme zu durchdringen und kreative Lösungen zu entwickeln, werden immer wichtiger im Berufsleben (hier geht’s zu meiner Future Skills-Einführung).

Wenn Weltkonzerne mit Programmen wie „Learning Expeditions“ ihre Mitarbeiter fördern und ihnen ermöglichen, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln, trägt das zur Suche nach neuen Kompetenzen bei. Die Forschung setzt sich immer intensiver  mit den sich wandelnden Anforderungsprofilen auseinander. Das World Economic Forum oder der OECD und des Harvard Business Review publizieren regelmäßig zu Future Skills, ohne diesen Begriff durchgängig zu verwenden. Der Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft hat gemeinsam mit McKinsey & Company ein Future-Skills-Framework entwickelt, das 21 essenzielle Kompetenzen in vier Hauptkategorien unterteilt.

Beyond New Work: Achtsames Arbeitskultur 2040

Schlüsselbegriffe wie Automatisierung, Metaversum und Workplace Transformation stehen für technische Innovationen, welche die Zukunft der Arbeit prägen werden. Darüber hinaus verändern sich gesellschaftliche Wertevorstellung. Jede neue Generation von Berufsanfängern bringt neue Erwartungshaltungen mit in die Company. Und allmählich dürfte dann auch dem gestrigsten aller Entrepreneure einleuchten, dass männerdominierte Führungsetagen mit der Zeit zu schlechterer Performance führt.

Was ich in dieser Wissenswelt unter „achtsamer Arbeitskultur“ subsummiere, geht weit über das eher weichgespülte „New Work“-Verständnis vieler Unternehmen hinaus, was sich doch zumeist mit ein paar Lifestyle-Komponenten zufrieden gibt. Vielmehr orientiere ich mich an dem New-Work–Konzept, wie es sein intellektueller Vordenker Urheber Frithjof Bergmann in den 1980er-Jahren deklinierte. Seine Erfahrungen als Fließbandarbeiter in der langsam kollabierenden US-Autometropole Flint/Michigan gipfelten im allerhöchsten Anspruch an moderne Arbeitsbedingungen: Wenn Menschen den Freiraum bekommen, sich selbst zu entdecken, werden sie ihn nutzen.

Experten wie Yuval Noah Harari, Sheryl Sandberg, Jeremy Rifkin oder Julia Wagner haben kluge Beiträge zur neuen Arbeitswelt veröffentlicht. Ich selbst sammle seit einigen Jahren Best Practice, wie es Unternehmen gelingt, dem „Kreativfaktor Mensch“ (Horx)  auch im Raum neuer technologischen Möglichkeit gerecht zu werden. Dafür habe ich Interviews mit Unternehmenslenkern, Personalleitern und Männern wie Frauen geführt, die sich für eine neue, eine achtsamere Unternehmenskultur einsetzen.

Einige konkrete Beispiele etwa aus den Weltkonzernen DHL, Henkel und Boeringer Ingelheim findest Du in dieser Wissenswelt unter dem Hashtag #NewWork. Konkrete konzeptionelle Handreichungen aus der Welt von Nutzerzentrierung, Design Thinkings und Customer Journey bündle ich unter #Kultur & UX.

Ein Wort noch zu Sheryl Sandberg, einst COO von Facebook, die mit ihrem Beitrag zur Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit und Diversity in der Arbeitswelt („Lean In“) für Furore gesorgt hat: Um ihr einigermaßen gerecht zu werden, habe ich ihr den Hashtag #Kultur&Gender gewidmet. Ein kleiner Spoiler an dieser Stelle:

Corporate Learning: Trends und Must-Haves

Wie nun wollen Organisationen sicherstellen, dass ihre Mitarbeiter neue Kompetenzen entwickeln, um ihre Aufgaben auch künftig professionell zu erfüllen? Noch dazu, wenn die Welt des digitalen Lernens immer umfangreicher und auch unübersichtlicher wird. (Für Letzteres habe ich hier versucht, Ordnung in der Begrifflichkeit herzustellen)

Fest steht: Digitales Lernen sorgt für beträchtlichen Mehrwert in den Unternehmen, der sich auch mit Zahlen belegen lässt. Digitale Lernmethoden wie E-Learning und mobile Apps werden immer wichtiger, da sie flexibles und effizientes Lernen ermöglichen. Konzerne wie IBM und Microsoft können es ich spielend leisten, eigene Systeme mit umfangreichen Bildungskataloge aufzusetzen. Fraglos setzen sie mit ihren innovativen Plattformen für ihre Mitarbeiter Maßstäbe.

Für Unternehmen dieser Größenordnung tätig zu sein, ist auch für uns bei Tutoolio bisweilen spektakulär, weil das Budget es oft zulässt, hochkarätige Lernangebote zu kreieren, bei denen die „Lerner-Zentrierung“ nicht zu kurz kommt. Aber auch einige Nummern kleiner können Unternehmen mit individuellem Content und einer zeitgemäßen Lernplattform Anschluss an die Trends im Corporate Learning halten.

Diese Trends umfassen aktuell adaptives und personalisiertes Lernen, VR und AR in Schulungen, Gamification für höhere Mitarbeitermotivation, sowie Microlearnings und KI-generierte Inhalte. Auch Themen wie Diversity und ESG werden vermehrt in Lernprogramme integriert. Der Markt ist im steten Wandel begriffen. Um  den Anschluss zu halten, werfe ich gerne einen Blick über den Atlantik oder lasse mich von erfolgreichen Projekten in Unternehmen inspirieren.

Transformational Leadership: Auf die da oben kommt es an

Die gute Nachricht vorneweg: Das Management hierzulande ist hinsichtlich der eigenen Innovationskraft äußerst selbstkritisch. Als ich 2019 eine große Umfrage im Gesundheitswesen startete, verblüffte mich die offenkundige Selbsterkenntnis, dass es für viele noch ein weiter, steiniger Weg sei hin zur innovationsfreudigen Organisation. Da tröstet es nur wenig, dass Studien etwa des Berliner DIW auch für andere Branchen zu vergleichbar desillusionierenden Ergebnissen kommen.

Mehr zu „Entscheider attestieren sich selbst wenig Innovationskraft“ gibt es beim Klick auf die Grafik.

Bei aller Selbstreflexion: Ohne eigenes Zutun der Damen und (meist) Herren aus dem Management wird sich das so schnell nicht ändern. Um eine kreative Atmosphäre für die Transformation zu erzeugen, sind „die da oben“ leider unverzichtbar. Und Transformation ist nun mal das zentrale Thema für die Leitungsebene.

Eine Führungskraft muss eine inspirierende Vision entwickeln und das Team für diese begeistern. Transformational Leadership zielt folglich darauf ab, organisatorische Veränderungen voranzutreiben und Mitarbeiter zu motivieren, aktiv daran teilzuhaben. Dieser Ansatz, entwickelt anhand politscher Leader von James MacGregor Burns und auf Unternehmensführungen übertragen von Bernard M. Bass, umfasst charismatische Führung, inspirierende Motivation, intellektuelle Stimulation und individualisierte Beachtung der Mitarbeitenden.

Man muss nicht gleich das Charisma eines Nelson Mandela mitbringen, der Millionen mit seiner Vision vereinte. Aber ein bisschen Upskilling in Sachen Transformational Leadership darf es für eine Führungskraft schon sein. In dieser Wissenswelt kommen daher immer wieder Leader zu Wort, die ihren eigenen Weg gefunden haben, Organisationen und Teams zu modernisieren und mobilisieren. Was modernes Führen heißt – und auch nicht, erklärt hier sehr pointiert die Ökonomin Maike Andresen

Ökosystem: Gemeinsam gegen die Übermacht der „Big Tech“

Als ich vor ein paar Jahren einmal den Blogger und Tech-Influencer Sascha Lobo einlud, um vor einem Auditorium von rund 1500 Top-Managern aus dem Gesundheitswesen einen Vortrag zu halten, erhoffte ich mir ein humoriges Wachrütteln meiner gelegentlich larmoyanten, wenn nicht sogar defätistischen Gästeschaar. Lobo lieferte – und löste gleichsam das Unbehagen aus, dass vieles an Innovationsdruck nicht unbedingt vom Wettbewerber um die Ecke stammt, sondern von den US-Giganten Google, Apple, Facebook, Amazon oder Microsoft.

Sascha Lobo, Keynote Speaker auf dem 16. Nationalen DRG-Forum

Die wachsende Dominanz von „Big Tech“ erwürgt den Wettbewerb und bedroht die Vielfalt in der Wirtschaft. Kleine und mittlere Unternehmen (KMU) leiden besonders unter deren Marktmacht, da sie nicht mit den irren Investitionsbudgets mithalten können.

Um dem entgegenzuwirken, sind einerseits strengere Regulierungen und staatliche Förderprogramme notwendig. Da bleibt die Politik vieles schuldig, weshalb ich die Rubrik „Pollvention“ in „Transformation Leader“ einzig dem politschen und regulatorischen Rahmen für Innovationen widme. Anderseits, aber – und in dieser TUTOOLIO-Wissenswelt widme ich mich ja vornehmlich der Businesswelt – können Unternehmen sich durch selbst zu Wehr setzen; und zwar am besten gemeinsam mit anderen Leidens- und Artgenossen.

Ökosysteme erleichtern KMU den Zugang zu Ressourcen und Partnerschaften. Sie helfen ihnen, im digitalen Zeitalter den Anschluss zu wahren. Viele sehr kleine und junge Unternehmen haben dies verinnerlicht, weshalb ich gerne den Erfolgsrezepten einzelner Start-ups nachforsche.

Als ich aber vor ein paar Jahren für die erste Ausgabe des Magazins „Transformation Leader“ nach Mustern von Ökosystemen recherchierte, stieß ich schnell auf einen Mann, der das betriebswirtschaftliche „Ökosystem“ wissenschaftlich und auch praktisch tiefer durchdrungen hatte als jeder andere vor ihm. Deshalb überlasse ich es auch dem „Ecosystemizer“ himself, Professor Julian Kawohl, das Konzept ausführlich vorzustellen.

Disruption: Wir entscheiden, wie sie uns trifft

Wahrscheinlich kennst Du Biston Betularia noch nicht persönlich. Es handelt sich um den zoologisch korrekten Namen des hierzulande als Birkenfalter bekannten Insekts.

Biston Betularia führte über Generationen ein eher unsichtbares Leben; zumindest der weiße Vertreter seiner Art, konnte er sich doch bestens auf die Stämme von Birken setzen, ohne von Fressfeinden erspäht zu werden. Mit der Industrialisierung vor mehr als 200 Jahren jedoch schwärzten sich die Birkenstämme und aus dem vermeintlichen Vorteil wurde ein existenzgefährdender Nachteil.

Das Schicksal des Birkenfalters ist ein Lehrstück in Sachen Disruption und sollte uns erinnern, dass Schockstarre inmitten des Wandels keine Option ist. Die Disruption der Arbeitswelt erfasst alle Branchen. Unternehmen müssen sich anpassen, um nicht abgehängt zu werden. Alltagsbeispiele wie der Aufstieg des Online-Handels, die Verbreitung von Apps oder das Streaming-Angebot in der Film- und Musikbranche zeigen, dass in erster Linie der Veränderungswille über die Existenz bewährter Marken und Unternehmen entscheidet. Statt an veralteten Modellen festzuhalten, sollten Unternehmen offen für Veränderungen sein und sich auf die Kundenerfahrung konzentrieren. Wer sich weigert, zu innovieren, riskiert, von disruptiven Kräften überholt zu werden.

Quellen, Literatur, Lesens- und Anschauenswertes